12. Dezember

Namenstage :Chantal,Hartmann,Janina,Johanna und Vicelin.

Jingle Bells
Englische Version

Jingle Bells, jingle bells, jingle all the way,
oh, what fun it is to ride in a one horse open sleigh

Dashing through the snow in a one-horse open sleigh,
o'er fields we go, laughing all the way
Bells on bobtail ring, making spirits bright
What fun it is to ride and sing a sleighing song tonight. Oh!

Jingle Bells, jingle bells, jingle all the way,
oh, what fun it is to ride in a one horse open sleigh

A day or two ago I thought I'd take a ride,
and soon Miss Fanny Bright was seated by my side,
The horse was lean and lank, misfortune seemed his lot,
He got into the drifted bank and we, we got upsot. Oh!

Jingle Bells, jingle bells, jingle all the way,
oh, what fun it is to ride in a one horse open sleigh

Jingle Bells
Deutsche Version

Jingle Bells, Jingle Bells,
Klingt's durch Eis und Schnee
Morgen kommt der Weihnachtsmann,
kommt dort von der Höh'.
Jingle Bells, Jingle Bells
Es ist wie ein Traum.
Bald schon brennt das Lichtlein hell
bei uns am Weihnachtsbaum.

Wenn die Winterwinde weh'n,
wenn die Tage schnell vergeh'n,
wenn im Schranke ganz geheimnisvoll
die bunten Päckchen steh'n,
dann beginnt die schöne Zeit,
auf die jeder sich schon freut.
Und die Menschen seh'n so freundlich aus
Und singen weit und breit -- O

Jingle Bells, Jingle Bells,
Klingt's durch Eis und Schnee
Morgen kommt der Weihnachtsmann,
kommt dort von der Höh'.
Jingle Bells, Jingle Bells
Es ist wie ein Traum.
Bald schon brennt das Lichtlein hell
bei uns am Weihnachtsbaum.

Frau Holle  (Gebrüder Grimm)

Eine Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißig,
die andere häßlich und faul.
Sie hatte aber die häßliche und faule, weil sie ihre rechte Tochter war,
viel lieber, und die andere mußte alle Arbeit tun und das Aschenputtel im Hause sein. Das arme Mädchen mußte sich täglich auf die große Straße bei einem Brunnen setzen und mußte so viel spinnen, daß ihm das Blut aus den Fingern sprang.
Nun trug es sich zu, daß die Spule einmal ganz blutig war,
da bückte es sich damit in den Brunnen und wollte sie abwaschen;
sie sprang ihm aber aus der Hand und fiel hinab.
Es weinte, lief zur Stiefmutter und erzählte ihr das Unglück.
Sie schalt es aber so heftig und war so unbarmherzig, daß sie sprach:
"Hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hoi sie auch wieder herauf. "
Da ging das Mädchen zu dem Brunnen zurück und wußte nicht, was es anfangen sollte; und in seiner Herzensangst sprang es in den Brunnen hinein, um die Spule zu holen.
Es verlor die Besinnung, und als es erwachte und wieder zu sich selber kam,
war es auf einer schönen Wiese, wo die Sonne schien und vieltausend Blumen standen. Auf dieser Wiese ging es fort und kam zu einem Backofen, der war voller Brot;
das Brot aber rief:

"Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich:
ich bin schon längst aus gebacken."

Da trat es herzu und holte mit dem Brotschieber alles nacheinander heraus.
Danach ging es weiter und kam zu einem Baum,
der hing voll Äpfel, und rief ihm zu:

"Ach, schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif. "

Da schüttelte es den Baum, daß die Äpfel fielen, als regneten sie, und schüttelte,
bis keiner mehr oben war; und als es alle in einen Haufen zusammengelegt hatte,
ging es wieder weiter.

Endlich kam es zu einem kleinen Haus,
daraus guckte eine alte
Frau, weil sie aber so große Zähne hatte, ward ihm angst, und es wollte fortlaufen.
Die alte Frau aber rief ihm nach:
"Was fürchtest du dich, liebes Kind?
Bleib bei mir, wenn du alle Arbeit im Hause ordentlich tun willst,
so soll dir's gut gehn. Du mußt nur achtgeben, daß du mein Bett gut machst
und es fleißig aufschüttelst, daß die Federn fliegen,
dann schneit es in der Welt; ich bin die Frau Holle."
Weil die Alte ihm so gut zusprach, so faßte sich das Mädchen ein Herz,
willigte ein und begab sich in ihren Dienst.
Es besorgte auch alles nach ihrer Zufriedenheit und
schüttelte ihr das Bett immer gewaltig,
auf daß die Federn wie Schneeflocken umherflogen;
dafür hatte es auch ein gut Leben bei ihr, kein böses Wort
und alle Tage Gesottenes und Gebratenes.

Nun war es eine Zeitlang bei der Frau Holle,
da ward es traurig und wußte anfangs selbst nicht, was ihm fehlte.
Endlich merkte es, daß es Heimweh war;
ob es ihm hier gleich vieltausendmal besser ging als zu Haus,
so hatte es doch ein Verlangen dahin. Endlich sagte es zu ihr:
"Ich habe den Jammer nach Haus kriegt,
und wenn es mir auch noch so gut hier unten geht,
so kann ich doch nicht länger bleiben,
ich muß wieder hinauf zu den Meinigen."
Die Frau Holle sagte:
"Es gefällt mir, daß du wieder nach Haus verlangst,
und weil du mir so treu gedient hast, so will ich dich selbst wieder hinaufbringen."

Sie nahm es darauf bei der Hand und führte es vor ein großes Tor.
Das Tor ward aufgetan, und wie das Mädchen gerade darunterstand,
fiel ein gewaltiger Goldregen, und alles Gold blieb an ihm hängen,
so daß es über und über davon bedeckt war.

"Das sollst du haben, weil du so fleißig gewesen bist«, sprach die Frau Holle
und gab ihm auch die Spule wieder, die ihm in den Brunnen gefallen war.
Darauf ward das Tor verschlossen, und das Mädchen befand sich oben auf der Welt, nicht weit von seiner Mutter Haus; und als es in den Hof kam,
saß der Hahn auf dem Brunnen und rief:

"Kikeriki, unsere goldene Jungfrau ist wieder hie."


Da ging es hinein zu seiner Mutter, und weil es so mit Gold bedeckt ankam,
ward es von ihr und der Schwester gut aufgenommen.

Das Mädchen erzählte alles, was ihm begegnet war, und als die Mutter hörte,
wie es zu dem großen Reichtum gekommen war,
wollte sie der andern, häßlichen und faulen Tochter gerne dasselbe Glück verschaffen. Sie mußte sich an den Brunnen setzen und spinnen; und damit ihre Spule blutig ward, stach sie sich in die Finger und stieß sich die Hand in die Dornhecke.
Dann warf sie die Spule in den Brunnen und sprang selber hinein.
Sie kam, wie die andere, auf die schöne Wiese und ging auf demselben Pfade weiter. Als sie zu dem Backofen gelangte, schrie das Brot wieder:

"Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich,
ich bin schon längst ausgebacken. "

Die Faule aber antwortete:
"Da hätt ich Lust, mich schmutzig zu machen"
und ging fort.

Bald kam sie zu dem Apfelbaum, der rief:
"Ach, schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif. "

Sie antwortete aber:
"Du kommst mir recht, es könnte mir einer auf den Kopf fallen"
und ging damit weiter. Als sie vor der Frau Holle Haus kam, fürchtete sie sich nicht, weil sie von ihren großen Zähnen schon gehört hatte, und verdingte sich gleich zu ihr. Am ersten Tag tat sie sich Gewalt an, war fleißig und folgte der Frau Hohe,
wenn sie ihr etwas sagte, denn sie dachte an das viele Gold,
das sie ihr schenken würde; am zweiten Tag aber fing sie schon an zu faulenzen,
am dritten noch mehr, da wollte sie morgens gar nicht aufstehen.
Sie machte auch der Frau Holle das Bett nicht, wie sich's gebührte,
und schüttelte es nicht, daß die Federn aufflogen.
Das ward die Frau Hohe bald müde und sagte ihr den Dienst auf.
Die Faule war das wohl zufrieden und meinte, nun würde der Goldregen kommen.

Die Frau Holle führte sie auch zu dem Tor, als sie aber darunterstand,
ward statt des Goldes ein großer Kessel voll Pech ausgeschüttet.
"Das ist zur Belohnung deiner Dienste"
, sagte die Frau Holle und schloß das Tor zu.

Da kam die Faule heim, aber sie war ganz mit Pech bedeckt,
und der Hahn auf dem Brunnen, als er sie sah, rief:

"Kikeriki, unsere schmutzige Jungfrau ist wieder hie."

Das Pech aber blieb fest an ihr hängen und wollte, solange sie lebte, nicht abgehen.

Der Königssohn, der sich vor nichts fürchtet

 (Gebrüder Grimm)

Es war einmal ein Königssohn, dem gefiels nicht mehr daheim in seines Vaters Haus,
und weil er vor nichts Furcht hatte, so dachte er '
"Ich will in die weite Welt gehen, da wird mir Zeit und Weile nicht lang,
und ich werde wunderliche Dinge genug sehen."
Also nahm er von seinen Eltern Abschied und ging fort, immerzu, von Morgen bis Abend,
und es war ihm einerlei, wo hinaus ihn der Weg führte.
Es trug sich zu, daß er vor eines Riesen Haus kam, und weil er müde war,
setzte er sich vor die Türe und ruhte.
Und als er seine Augen so hin- und hergehen ließ,
sah er auf dem Hof des Riesenspielwerk liegen:
das waren ein paar mächtige Kugeln und Kegel,
so groß als ein Mensch. Über ein Weilchen bekam er Lust, stellte die Kegel auf
und schob mit den Kugeln danach, schrie und rief, wenn die Kegel fielen, und war guter Dinge.
Der Riese hörte den Lärm, streckte seinen Kopf zum Fenster heraus und erblickte einen Menschen,
der nicht größer war als andere,
und doch mit seinen Kegeln spielte.
"ürmchen," rief er, "was kegelst du mit meinen Kegeln? Wer hat dir die Stärke dazu gegeben?"
Der Königssohn schaute auf, sah den Riesen an und sprach
"O du Klotz, du meinst wohl, du hättest allein starke Arme?
Ich kann alles, wozu ich Lust habe."
Der Riese kam herab, sah dem Kegeln ganz verwundert zu und sprach
"Menschenkind, wenn du der Art bist, so geh und hol mir einen Apfel vom Baum des Lebens."
"Was willst du damit?" sprach der Königssohn.
"Ich will den Apfel nicht für mich," antwortete der Riese,
"aber ich habe eine Braut, die verlangt danach;
ich bin weit in der Welt umhergegangen und kann den Baum nicht finden."
"Ich will ihn schon finden," sagte der Königssohn, '
"und ich weiß nicht, was mich abhalten soll, den Apfel herunterzuholen."
Der Riese sprach "Du meinst wohl, das wäre so leicht?
"Der Garten, worin der Baum steht, ist von einem eisernen Gitter umgeben,
und vor dem Gitter liegen wilde Tiere, eins neben dem andern, die halten Wache
und lassen keinen Menschen hinein."
"Mich werden sie schon einlassen," sagte der Königssohn.
"Ja, gelangst du auch in den Garten und siehst den Apfel am Baum hängen,
so ist er doch noch nicht dein: es hängt ein Ring davor,
durch den muß einer die Hand stecken, wenn er den Apfel erreichen und abbrechen will,
und das ist noch keinem geglückt.' "
"Mir solls schon glücken," sprach der Königssohn.

Da nahm er Abschied von dem Riesen, ging fort über Berg und Tal, durch Felder und Wälder,
bis er endlich den Wundergarten fand.
Die Tiere lagen ringsumher, aber sie hatten die Köpfe gesenkt und schliefen.
Sie erwachten auch nicht, als er herankam, sondern er trat über sie weg,
stieg über das Gitter und kam glücklich in den Garten.
Da stand mitten drinn der Baum des Lebens,
und die roten Äpfel leuchteten an den listen.
Er kletterte an dem Stamm in die Höhe, und wie er nach einem Apfel reichen wollte,
sah er einen Ring davor hängen,
aber er steckte seine Hand ohne Mühe hindurch und brach den Apfel.
Der Ring schloß sich fest an seinen Arm, und er fühlte,
wie auf einmal eine gewaltige Kraft durch seine Adern drang.
Als er mit dem Apfel von dem Baum wieder herabgestiegen war,
wollte er nicht über das Gitter klettern, sondern faßte das große Tor
und brauchte nur einmal daran zu schütteln, so sprang es mit Krachen auf.
Da ging er hinaus, und der Löwe, der davor gelegen hatte,
war wach geworden und sprang ihm nach, aber nicht in Wut und Wildheit,
sondern er folgte ihm demütig als seinem Herrn.

Der Königssohn brachte dem Riesen den versprochenen Apfel und sprach
"Siehst du, ich habe ihn ohne Mühe geholt."
Der Riese war froh, daß sein Wunsch so bald erfüllt war,
eilte zu seiner Braut und gab ihr den Apfel, den sie verlangt hatte.
Es war eine schöne und kluge Jungfrau, und da sie den Ring nicht an seinem Arm sah, sprach sie
"Ich glaube nicht eher, daß du den Apfel geholt hast,
als bis ich den Ring an deinem Arm er blicke."
Der Riese sagte "'ich brauche nur heim zu gehen und ihn zu holen,"
und meinte, es wäre ein leichtes, dem schwachen Menschen mit Gewalt wegzunehmen,
was er nicht gutwillig geben wollte.
Er forderte also den Ring von ihm, aber der Königssohn weigerte sich.
"Wo der Apfel ist, muß auch der Ring sein," sprach der Riese,
"gibst du ihn nicht gutwillig, so mußt du mit mir darum kämpfen."

Sie rangen lange Zeit miteinander, aber der Riese konnte dem Königssohn,
den die Zauberkraft des Ringes stärkte, nichts anhaben.
Da sann der Riese auf eine List und sprach
"Mir ist warm geworden bei dem Kampf, und dir auch,
wir wollen im Flusse baden und uns abkühlen, eh wir wieder anfangen."
Der Königssohn, der von Falschheit nichts wußte, ging mit ihm zu dem Wasser,
streifte mit seinen Kleidern auch den Ring vom Arm und sprang in den Fluß.
Alsbald griff der Riese nach dem Ring und lief damit fort, aber der Löwe,
der den Diebstahl bemerkt hatte, setzte dem Riesen nach,
riß den Ring ihm aus der Hand und brachte ihn seinem Herrn zurück.
Da stellte sich der Riese hinter einen Eichbaum, und als der Königssohn beschäftigt war,
seine Kleider wieder anzuziehen, überfiel er ihn und stach ihm beide Augen aus.

Nun stand da der arme Königssohn, war blind und wußte sich nicht zu helfen.
Da kam der Riese wieder herbei, faßte ihn bei der Hand wie jemand, der ihn leiten wollte,
und führte ihn auf die Spitze eines hohen Felsens.
Dann ließ er ihn stehen und dachte
"Noch ein paar Schritte weiter, so stürzt er sich tot, und ich kann ihm den Ring abziehen."
Aber der treue Löwe hatte seinen Herrn nicht verlassen,
hielt ihn am Kleide fest und zog ihn allmählich wieder zurück.
Als der Riese kam und den Toten berauben wollte, sah er,
daß seine List vergeblich gewesen war.
"Ist denn ein so schwaches Menschenkind nicht zu verderben!"
sprach er zornig zu sich selbst, faßte den Königssohn
und führte ihn auf einem andern Weg nochmals zu dem Abgrund:
aber der Löwe, der die böse Absicht merkte, half seinem Herrn auch hier aus der Gefahr.
Als sie nahe zum Rand gekommen waren,
ließ der Riese die Hand des Blinden fahren und wollte ihn allein zurücklassen,
aber der Löwe stieß den Riesen, daß er hinabstürzte und zerschmettert auf den Boden fiel.

Das treue Tier zog seinen Herrn wieder von dem Abgrund zurück
und leitete ihn zu einem Baum, an dem ein klarer Bach floß.
Der Königssohn setzte sich da nieder, der Löwe aber legte sich
und spritzte mit seiner Tatze ihm das Wasser ins Antlitz.
Kaum hatten ein paar Tröpfchen die Augenhöhlen benetzt,
so konnte er wieder etwas sehen und bemerkte ein Vöglein,
das flog ganz nah vorbei, stieß sich aber an einem Baumstamm:
hierauf ließ es sich in das Wasser herab und badete sich darin,
dann flog es auf, strich ohne anzustoßen zwischen den Bäumen hin,
als hätte es sein Gesicht wiederbekommen.
Da erkannte der Königssohn den Wink Gottes,
neigte sich herab zu dem Wasser und wusch und badete sich darin das Gesicht.
Und als er sich aufrichtete, hatte er seine Augen wieder so hell und rein, wie sie nie gewesen waren.

Der Königssohn dankte Gott für die große Gnade
und zog mit seinem Löwen weiter in der Welt herum.
Nun trug es sich zu, daß er vor ein Schloß kam, welches verwünscht war.
In dem Tor stand eine Jungfrau von schöner Gestalt und feinem Antlitz,
aber sie war ganz schwarz. Sie redete ihn an und sprach
"Ach könntest du mich erlösen aus dem bösen Zauber, der über mich geworfen ist."
"Was soll ich tun?" sprach der Königssohn.
Die Jungfrau antwortete
"Drei Nächte mußt du in dem großen Saal des verwünschten Schlosses zubringen,
aber es darf keine Furcht in dein Herz kommen.
Wenn sie dich auf das ärgste quälen und du hältst es aus, ohne einen Laut von dir zu geben,
so bin ich erlöst; das Leben dürfen sie dir nicht nehmen.'!
Da sprach der Königssohn
"ich fürchte mich nicht, ich wills mit Gottes Hilfe versuchen."
Also ging er fröhlich in das Schloß, und als es dunkel ward,
setzte er sich in den großen Saal und wartete.
Es war aber still bis Mitternacht, da fing plötzlich ein großer Lärm an,
und aus allen Ecken und Winkeln kamen kleine Teufel herbei.
Sie taten, als ob sie ihn nicht sähen, setzten sich mitten in die Stube,
machten ein Feuer an und fingen an zu spielen. Wenn einer verlor, sprach er
"Es ist nicht richtig, es ist einer da, der nicht zu uns gehört, der ist schuld, daß ich verliere."
"Wart, ich komme, du hinter dem Ofen," sagte ein anderer.
Das Schreien ward immer größer, so daß es niemand ohne Schrecken hätte anhören können.
Der Königssohn blieb ganz ruhig sitzen und hatte keine Furcht:
doch endlich sprangen die Teufel von der Erde auf und fielen über ihn her,
und es waren so viele, daß er sich ihrer nicht erwehren konnte.
Sie zerrten ihn auf dem Boden herum, zwickten, stachen, schlugen und quälten ihn,
aber er gab keinen Laut von sich.
Gegen Morgen verschwanden sie, und er war so abgemattet,
daß er kaum seine Glieder regen konnte: als aber der Tag anbrach,
da trat die schwarze Jungfrau zu ihm herein.
Sie trug in ihrer Hand eine kleine Flasche, worin Wasser des Lebens war,
damit wusch sie ihn, und alsbald fühlte er,
wie alle Schmerzen verschwanden und frische Kraft in seine Adern drang. Sie sprach
"eine Nacht hast du glücklich ausgehalten, aber noch zwei stehen dir bevor."

Da ging sie wieder weg, und im Weggehen bemerkte er, daß ihre Füße weiß geworden waren.
In der folgenden Nacht kamen die Teufel und fingen ihr Spiel aufs neue an:
sie fielen über den Königssohn her und schlugen ihn viel härter als in der vorigen Nacht,
daß sein Leib voll Wunden war. Doch da er alles still ertrug, mußten sie von ihm lassen,
und als die Morgenröte anbrach, erschien die Jungfrau und heilte ihn mit dem Lebenswasser.
Und als sie wegging, sah er mit Freuden, daß sie schon weiß geworden war bis zu den Fingerspitzen.
Nun hatte er nur noch eine Nacht auszuhalten, aber die war die schlimmste.
Der Teufelsspuk kam wieder:
"Bist du noch da?" schrien sie, "du sollst gepeinigt werden, daß dir der Atem stehen bleibt."
Sie stachen und schlugen ihn, warfen ihn hin und her und zogen ihn an Armen und Beinen,
als wollten sie ihn zerreißen: aber er duldete alles und gab keinen Laut von sich.
Endlich verschwanden die Teufel, aber er lag da ohnmächtig und regte sich nicht:
er konnte auch nicht die Augen aufheben, um die Jungfrau zu sehen,
die hereinkam und ihn mit dem Wasser des Lebens benetzte und begoß.
Aber auf einmal war er von allen Schmerzen befreit und fühlte sich frisch und gesund,
als wäre er aus einem Schlaf erwacht, und wie er die Augen aufschlug,
so sah er die Jungfrau neben sich stehen, die war schneeweiß und schön wie der helle Tag.
"Steh auf," sprach sie, "und schwing dein Schwert dreimal über die Treppe, so ist alles erlöst."
Und als er das getan hatte, da war das ganze Schloß vom Zauber befreit,
und die Jungfrau war eine reiche Königstochter.
Die Diener kamen und sagten,
im großen Saale wäre die Tafel schon zubereitet und die Speisen aufgetragen.
Da setzten sie sich nieder, aßen und tranken zusammen,
und abends ward in großen Freuden die Hochzeit gefeiert.

Der Krautesel (Gebrüder Grimm)

Es war einmal ein junger Jäger, der ging in den Wald auf Anstand.
Er hatte ein frisches und fröhliches Herz, und als er daherging
und auf dem Blatt pfiff,
kam ein altes häßliches Mütterchen, das redete ihn an und sprach:

"Guten Tag, lieber Jäger, du bist wohl lustig und vergnügt,
aber ich leide Hunger und Durst, gib mir doch ein Almosen."

Da dauerte den Jäger das arme Mütterchen,
daß er in seine Tasche griff und ihr nach seinem Vermögen etwas reichte.
Nun wollte er weitergehen, aber die alte Frau hielt ihn an und sprach
"Höre, lieber Jäger, was ich dir sage,
für dein gutes Herz will ich dir ein Geschenk machen:
geh nur immer deiner Wege,
über ein Weilchen wirst du an einen Baum kommen,
darauf sitzen neun Vögel,
die haben einen Mantel in den Krallen und raufen sich darum.
Da lege du deine Büchse an und schieß mitten drunter:
den Mantel werden sie dir wohl fallen lassen,
aber auch einer von den Vögeln wird getroffen sein und tot herabstürzen.
Den Mantel nimm mit dir, es ist ein Wunschmantel,
wenn du ihn um die Schultern wirfst,
brauchst du dich nur an einen Ort zu wünschen,
und im Augenblick bist du dort.
Aus dem toten Vogel nimm das Herz heraus, und verschluck es ganz,
dann wirst du allen und jeden Morgen früh beim Aufstehen
ein Goldstück unter deinem Kopfkissen finden."

Der Jäger dankte der weisen Frau und dachte bei sich
"Schöne Dinge, die sie mir versprochen hat, wenns nur auch all so einträfe."

Doch wie er etwa hundert Schritte gegangen war,
hörte er über sich in den Ästen ein Geschrei und Gezwitscher, daß er aufschauete:
da sah er einen Haufen Vögel,
die rissen mit den Schnäbeln und Füßen ein Tuch herum,
schrien, zerrten und balgten sich, als wollts ein jeder allein haben.
"Nun," sprach der Jäger,
"das ist wunderlich, es kommt ja gerade so,
wie das Mütterchen gesagt hat,"
nahm die Büchse von der Schulter, legte an und tat seinen Schuß mitten hinein, daß die Federn herumflogen.
Alsbald nahm das Getier mit großem Schreien die Flucht,
aber einer fiel tot herab, und der Mantel sank ebenfalls herunter.

Da tat der Jäger, wie ihm die Alte geheißen hatte, schnitt den Vogel auf, suchte das Herz, schluckte es hinunter und nahm den Mantel mit nach Haus.

Am andern Morgen, als er aufwachte, fiel ihm die Verheißung ein,
und er wollte sehen, ob sie auch eingetroffen wäre.
Wie er aber sein Kopfkissen in die Höhe hob,
da schimmerte ihm das Goldstück entgegen, und am andern Morgen fand er wieder eins, und so weiter jedesmal, wenn er aufstand.
Er sammelte sich einen Haufen Gold, endlich aber dachte er
""was hilft mir all mein Gold, wenn ich daheim bleibe?
Ich will ausziehen und mich in der Welt umsehen."

Da nahm er von seinen Eltern Abschied,
hing seinen Jägerranzen und seine Flinte um und zog in die Welt.
Es trug sich zu, daß er eines Tages durch einen dicken Wald kam,
und wie der zu Ende war, lag in der Ebene vor ihm ein ansehnliches Schloß.
In einem Fenster desselben stand eine Alte mit einer wunderschönen Jungfrau und schaute herab.
Die Alte aber war eine Hexe und sprach zu dem Mädchen
"Dort kommt einer aus dem Wald,
der hat einen wunderbaren Schatz im Leib,
den müssen wir darum berücken,
mein Herzenstöchterchen: uns steht das besser an als ihm.
Er hat ein Vogelherz bei sich,
deshalb liegt jeden Morgen ein Goldstück unter seinem Kopfkissen."
Sie erzählt ihr, wie es damit beschaffen wäre, und wie sie darum zu spielen hätte, und zuletzt drohte sie und sprach mit zornigen Auge
"'und wenn du mir nicht gehorchst, so bist du unglücklich."
Als nun der Jäger näher kam, erblickte er das Mädchen und sprach zu sich
"Ich bin nun so lang herumgezogen, ich will einmal ausruhen und in das schöne Schloß einkehren, Geld hab ich ja vollauf."
Eigentlich aber war die Ursache,
daß er ein Auge auf das schöne Bild geworfen hatte.

Er trat in das Haus ein und ward freundlich empfangen und höflich bewirtet.
Es dauerte nicht lange, da war er so in das Hexenmädchen verliebt,
daß er an nichts anders mehr dachte und nur nach ihren Augen sah, und was sie verlangte, das tat er gerne. Da sprach die Alte
"Nun müssen wir das Vogelherz haben, er wird nichts spüren, wenn es ihm fehlt."
Sie richteten einen Trank zu, und wie der gekocht war,
tat sie ihn in einen Becher
und gab ihn dem Mädchen, das mußte ihn dem Jäger reichen.
Sprach es
"Nnun, mein Liebster, trink mir zu."
Da nahm er den Becher, und wie er den Trank geschluckt hatte,
brach er das Herz des Vogels aus dem Leibe.
Das Mädchen mußte es heimlich fortschaffen
und dann selbst verschlucken,
denn die Alte wollte es haben.
Von nun an fand er kein Gold mehr unter seinem Kopfkissen,
sondern es lag unter dem Kissen des Mädchens,
wo es die Alte jeden Morgen holte:
aber er war so verliebt und vernarrt, daß er an nichts anders dachte,
als sich mit dem Mädchen die Zeit zu vertreiben.

Da sprach die alte Hexe
"Das Vogelherz haben wir, aber den Wunschmantel müssen wir ihm auch abnehmen."
Antwortete das Mädchen
"Den wollen wir ihm lassen, er hat ja doch seinen Reichtum verloren."
Da ward die Alte bös und sprach
"So ein Mantel ist ein wunderbares Ding,
das selten auf der Welt gefunden wird,
den soll und muß ich haben."
Sie gab dem Mädchen Anschläge und sagte, wenn es ihr nicht gehorchte,
sollte es ihm schlimm ergehen.
Da tat es nach dem Geheiß der Alten,
stellte sich einmal ans Fenster und schaute in die weite Gegend, als wäre es ganz traurig. Fragte der Jäger "Was stehst du so traurig?"
"Ach, mein Schatz," gab es zur Antwort,
"da gegenüber liegt der Granatenberg,
wo die köstlichen Edelsteine wachsen.
Ich trage so groß Verlangen danach, daß, wenn ich daran denke,
ich ganz traurig bin;
aber wer kann sie holen! Nur die Vögel, die fliegen, kommen hin,

ein Mensch nimmermehr."

"Hast du weiter nichts zu klagen," sagte der Jäger,
"den Kummer will ich dir bald vom Herzen nehmen."
Damit faßte er sie unter seinen Mantel
und wünschte sich hinüber auf den Granatenberg,
und im Augenblick saßen sie auch beide drauf.
Da schimmerte das edele Gestein von allen Seiten,
daß es eine Freude war anzusehen,
und sie lasen die schönsten und kostbarsten Stücke zusammen.
Nun hatte es aber die Alte durch ihre Hexenkunst bewirkt,
daß dem Jäger die Augen schwer wurden. Er sprach zu dem Mädchen
"Wwir wollen ein wenig niedersitzen und ruhen, ich bin so müde,
daß ich mich nicht mehr auf den Füßen erhalten kann."
Da setzten sie sich, und er legte sein Haupt in ihren Schoß und schlief ein.
Wie er entschlafen war, da band es ihm den Mantel von den Schultern und hing ihn sich selbst um,
las die Granaten und Steine auf und wünschte sich damit nach Haus.

Als aber der Jäger seinen Schlaf ausgetan hatte und aufwachte,
sah er, daß seine Liebste ihn betrogen
und auf dem wilden Gebirg allein gelassen hatte.
"O," sprach er, "wie ist die Untreue so groß auf der Welt!"
saß da in Sorge und Herzeleid und wußte nicht, was er anfangen sollte.
Der Berg aber gehörte wilden und ungeheuern Riesen, die darauf wohnten und ihr Wesen trieben, und er saß nicht lange,
so sah er ihrer drei daherschreiten.
Da legte er sich nieder, als wäre er in tiefen Schlaf versunken.
Nun kamen die Riesen herbei, und der erste stieß ihn mit dem Fuß an
und sprach
"Was liegt da für ein Erdwurm und beschaut sich inwendig?"
Der zweite sprach "Tritt ihn tot."
Der dritte aber sprach verächtlich
"Das wäre der Mühe wert! Laßt ihn nur leben, hier kann er nicht bleiben,
und wenn er höher steigt bis auf die Bergspitze,
so packen ihn die Wolken und tragen ihn fort."
Unter diesem Gespräch gingen sie vorüber,
der Jäger aber hatte auf ihre Worte gemerkt,
und sobald sie fort waren, stand er auf und klimmte den Berggipfel hinauf.
Als er ein Weilchen da gesessen hatte,
so schwebte eine Wolke heran, ergriff ihn,
trug ihn fort und zog eine Zeitlang am Himmel her,
dann senkte sie sich und ließ sich über einen großen,
rings mit Mauern umgebenen Krautgarten nieder,
also daß er zwischen Kohl und Gemüsen sanft auf den Boden kam.

Da sah der Jäger sich um und sprach
"Wenn ich nur etwas zu essen hätte, ich bin so hungrig,
und mit dem Weiterkommen wirds schwer fallen;
aber hier seh ich keinen Apfel und keine Birne und keinerlei Obst,
überall nichts als Krautwerk."
Endlich dachte er
"Zur Not kann ich von dem Salat essen, der schmeckt nicht sonderlich,
wird mich aber erfrischen."
Also suchte er sich ein schönes Haupt aus und aß davon,
aber kaum hatte er ein paar Bissen hinabgeschluckt,
so war ihm so wunderlich zumute,
und er fühlte sich ganz verändert.
Es wuchsen ihm vier Beine, ein dicker Kopf und zwei lange Ohren, und er sah mit Schrecken, daß er in einen Esel verwandelt war.
Doch weil er dabei immer noch großen Hunger spürte
und ihm der saftige Salat nach seiner jetzigen Natur gut schmeckte,
so aß er mit großer Gier immerzu.
Endlich gelangte er an eine andere Art Salat, aber kaum hatte er etwas davon verschluckt, so fühlte er aufs neue eine Veränderung,
und kehrte in seine menschliche Gestalt zurück.

Nun legte sich der Jäger nieder und schlief seine Müdigkeit aus.
Als er am andern Morgen erwachte,
brach er ein Haupt von dem bösen und eins von dem guten Salat ab
und dachte
"Das soll mir zu dem Meinigen wieder helfen
und die Treulosigkeit bestrafen."
Dann steckte er die Häupter zu sich, kletterte über die Mauer
und ging fort, das Schloß seiner Liebsten zu suchen.
Als er ein paar Tage herumgestrichen war,
fand er es glücklicherweise wieder.
Da bräunte er sich schnell sein Gesicht,
daß ihn seine eigene Mutter nicht erkannt hätte,
ging in das Schloß und bat um eine Herberge.
"Ich bin so müde," sprach er, "und kann nicht weiter."
Fragte die Hexe "Landsmann, wer seid Ihr, und was ist Euer Geschäft?"
Er antwortete "Ich bin ein Bote des Königs und war ausgeschickt,
den köstlichsten Salat zu suchen, der unter der Sonne wächst.
Ich bin auch so glücklich gewesen, ihn zu finden, und trage ihn bei mir,
aber die Sonnenhitze brennt gar zu stark,
daß mir das zarte Kraut zu welken droht
und ich nicht weiß, ob ich es weiterbringen werde."

Als die Alte von dem köstlichen Salat hörte, ward sie lüstern und sprach
"Lieber Landsmann, laßt mich doch den wunderbaren Salat versuchen."
"Warum nicht?" antwortete er,
"ich habe zwei Häupter mitgebracht und will Euch eins geben,"
machte seinen Sack auf und reichte ihr das böse hin.
Die Hexe dachte an nichts Arges,
und der Mund wässerte ihr so sehr nach dem neuen Gericht,
daß sie selbst in die Küche ging und es zubereitete.
Als es fertig war, konnte sie nicht warten,
bis es auf dem Tisch stand, sondern sie nahm gleich ein paar Blätter und steckte sie in den Mund, kaum aber waren sie verschluckt, so war auch die menschliche Gestalt verloren, und sie lief als eine Eselin hinab in den Hof.
Nun kam die Magd in die Küche, sah den fertigen Salat da stehen und wollte ihn auftragen, unterwegs aber überfiel sie, nach alter Gewohnheit, die Lust zu versuchen,
und sie aß ein paar Blätter.
Alsbald zeigte sich die Wunderkraft,
und sie ward ebenfalls zu einer Eselin und lief hinaus zu der Alten,
und die Schüssel mit Salat fiel auf die Erde.
Der Bote saß in der Zeit bei dem schönen Mädchen,
und als niemand mit dem Salat kam,
und es doch auch lüstern danach war, sprach es
"Ich weiß nicht, wo der Salat bleibt."
Da dachte der Jäger "Das Kraut wird schon gewirkt haben,"
und sprach"Ich will nach der Küche gehen und mich erkundigen."
Wie er hinabkam, sah er die zwei Eselinnen im Hof herumlaufen,
der Salat aber lag auf der Erde.
"Schon recht," sprach er, "die zwei haben ihr Teil weg,"
und hob die übrigen Blätter auf, legte sie auf die Schüssel
und brachte sie dem Mädchen.
"Ich bring Euch selbst das köstliche Essen," sprach er,
"damit Ihr nicht länger zu warten braucht."
Da aß sie davon
und war alsbald wie die übrigen ihrer menschlichen Gestalt beraubt
und lief als eine Eselin in den Hof.

Nachdem sich der Jäger sein Angesicht gewaschen hatte,
also daß ihn die Verwandelten erkennen konnten,
ging er hinab in den Hof und sprach
"Jetzt sollt ihr den Lohn für eure Untreue empfangen."
Er band sie alle drei an ein Seil und trieb sie fort,
bis er zu einer Mühle kam.
Er klopfte an das Fenster, der Müller steckte den Kopf heraus
und fragte, was sein Begehren wäre.
"Ich habe drei böse Tiere," antwortete er,
"die ich nicht länger behalten mag.
Wollt Ihr sie bei Euch nehmen, Futter und Lager geben, und sie halten,
wie ich Euch sage, so zahl ich dafür, was Ihr verlangt."
Sprach der Müller "Warum das nicht? Wie soll ich sie aber halten?"
Da sagte der Jäger, der alten Eselin, und das war die Hexe,
sollte er täglich dreimal Schläge und einmal zu fressen geben;
der jüngern, welche die Magd war, einmal Schläge und dreimal Futter;
und der jüngsten, welche das Mädchen war,
keinmal Schläge und dreimal zu fressen;
denn er konnte es doch nicht über das Herz bringen,
daß das Mädchen sollte geschlagen werden.
Darauf ging er zurück in das Schloß, und was er nötig hatte, das fand er alles darin.

Nach ein paar Tagen kam der Müller und sprach, er müßte melden,
daß die alte Eselin,
die nur Schläge bekommen hätte und nur einmal zu fressen, gestorben sei.
"Die zwei andern," sagte er weiter, "sind zwar nicht gestorben und kriegen auch dreimal zu fressen, aber sie sind so traurig,
daß es nicht lange mit ihnen dauern kann."
Da erbarmte sich der Jäger, ließ den Zorn fahren und sprach zum Müller,
er sollte sie wieder hertreiben.
Und wie sie kamen, gab er ihnen von dem guten Salat zu fressen,
daß sie wieder zu Menschen wurden.
Da fiel das schöne Mädchen vor ihm auf die Knie und sprach
"Ach, mein Liebster, verzeiht mir, was ich Böses an Euch getan,
meine Mutter hatte mich dazu gezwungen;
es ist gegen meinen Willen geschehen,
denn ich habe Euch von Herzen lieb.
Euer Wunschmantel hängt in einem Schrank,
und für das Vogelherz will ich einen Brechtrunk einnehmen."
Da ward er anderes Sinnes und sprach
"Behalt es nur, es ist doch einerlei,
denn ich will dich zu meiner treuen Ehegemahlin annehmen."

Und da ward Hochzeit gehalten,
und sie lebten vergnügt miteinander bis an ihren Tod.

Der Mistkäfer (Hans Christian Andersen)

Das Leibroß des Kaisers bekam goldene Hufbeschläge, ein goldenes Hufeisen an jedes Bein.

Aber weshalb das?

Es war ein wunderschönes Tier, hatte feine Beine, kluge und helle Augen und eine Mähne, die ihm wie ein Schleier über den Hals herabhing. Es hatte seinen Herrn durch Pulverdampf und Kugelregen getragen, hatte die Kugeln singen und pfeifen hören, hatte gebissen, ausgeschlagen und mitgekämpft, als die Feinde eindrangen, war mit seinem Kaiser in einem Sprung über das gestürzte Pferd des Feindes gesetzt, hatte die Krone aus roten Gold, das Leben seines Kaisers gerettet, und das war mehr wert als das rote Gold, deshalb bekam des Kaisers Roß goldene Hufeisen.

Und ein Mistkäfer kam hervorgekrochen. "Erst die Großen, dann die Kleinen", sagte er, "aber die Größe allein macht es nicht." Und dabei streckte er seine dünnen Beine aus.

"Was willst du denn?" fragte der Schmied.

"Goldene Beschläge, jawohl!" sagte der Mistkäfer. "Bin ich denn nicht ebenso gut wie das große Tier da, das gewartet und gebürstet wird und dem man Essen und Trinken vorsetzt! Gehöre ich nicht auch in den kaiserlichen Stall?"

"Weshalb aber bekommt das Roß goldene Beschläge?" sagte der Schmied, "begreifst du das nicht?"

"Begreifen? Ich begreife, daß es eine Geringschätzung meiner Person ist", sagte der Mistkäfer, "es geschieht, um nicht zu kränken - und ich gehe deshalb auch in die weite Welt!"

"Nur zu!" sagte der Schmied.

"Grober Kerl, du!" sagte der Mistkäfer, und dann ging er aus dem Stall hinaus, flog eine kleine Strecke und befand sich bald darauf in einem schönen Blumengarten, wo es nach Rosen und Lavendel duftete.

"Ist es hier nicht wunderschön?" fragte einer der kleinen Marienkäfer, die mit ihren roten, schildstarken, mit schwarzen Pünktchen besäten Flügeln darin umherflogen. "Wie süß es hier ist, wie ist es hier schön!"

"Ich bin es besser gewöhnt", sagte der Mistkäfer, "ihr nennt das hier schön? Nicht einmal ein Misthaufen ist hier!"

Dann ging er weiter, unter den Schatten einer großen Levkoje; da kroch eine Kohlraupe umher. "Wie ist doch die Welt schön!" sprach die Kohlraupe, "die Sonne ist so warm, alles so vergnüglich! Und wenn ich einmal einschlafe und sterbe, wie sie es nennen, so erwache ich als ein Schmetterling."

"Was du dir einbildest!" sagte der Mistkäfer, "als Schmetterling umherfliegen! Ich komme aus dem Stall des Kaisers, aber niemand dort, selbst nicht des Kaisers Leibroß, das doch meine abgelegten goldenen Schuhe trägt, bildet sich so etwas ein: Flügel kriegen! Fliegen! Ja, jetzt aber fliegen wir!" Und nun flog der Mistkäfer davon. "Ich will mich nicht ärgern, aber ich ärgere mich doch!" sprach er im Davonfliegen.

Bald darauf aber fiel er auf einem großen Rasenplatz nieder; hier lag er eine Weile und simulierte; endlich schlief er ein.

Ein Platzregen stürzte plötzlich aus den Wolken! Der Mistkäfer erwachte bei dem Lärm und wollte sich in die Erde verkriechen, aber es gelang ihm nicht, er wurde um und um gewälzt; bald schwamm er auf dem Bauch, bald auf dem Rücken, an Fliegen war nicht zu denken; er zweifelte daran, lebendig von diesem Ort fortzukommen. Er lag, wo er lag, und blieb auch liegen.

Als das Unwetter ein wenig nachgelassen hatte und der Mistkäfer das Wasser aus seinen Augen weggeblinzelt hatte, sah er etwas Weißes schimmern, es war Leinen, das auf der Bleiche lag; er gelangte zu ihm hin und kroch zwischen eine Falte des nassen Leinens. Da lag es sich freilich anders als in dem waren Haufen im Stall, aber etwas Besseres war hier nun einmal nicht vorhanden, und deshalb blieb er wo er war, blieb einen ganzen Tag, eine ganze Nacht, und auch der Regen blieb. Gegen Morgen kroch er hervor; er ärgerte sich sehr über das Klima.

Auf dem Leinen saßen zwei Frösche; ihre hellen Augen strahlten vor lauter Vergnügen. "Das ist ein herrliches Wetter!" sagte der eine, "wie erfrischend! Und die Leinwand hält das Wasser so schön beisammen; es krabbelt mich in den Hinterfüßen, als wenn ich schwimmen sollte."

"Ich möchte wissen", sagte der andere, "ob die Schwalbe, die so weit umherfliegt, auf ihren vielen Reisen im Ausland ein besseres Klima als das unsrige gefunden hat: eine solche Nässe! Es ist wahrhaftig, als läge man in einem nassen Graben! Wer sich dessen nicht freut, liebt in der Tat sein Vaterland nicht!" "Seid ihr denn nicht im Stall des Kaisers gewesen?" fragte der Mistkäfer. "Dort ist das Nasse warm und würzig, das ist mein Klima, aber das kann man nicht mit auf Reisen nehmen. Gibt's hier im Garten kein Mistbeet, wo Standespersonen wie ich sich heimisch fühlen und logieren können?"

Die Frösche aber verstanden ihn nicht, oder wollten ihn nicht verstehen.

"Ich frage nie zweimal!" sagte der Mistkäfer, nachdem er bereits dreimal gefragt und keine Antwort erhalten hatte.

Darauf ging er eine Strecke weiter und stieß hier auf einen Tonscherben, der freilich nicht da hätte liegen sollen, aber so wie er lag, gewährte er Schutz gegen Wind und Wetter. Hier wohnten mehrere Ohrwurmfamilien; diese beanspruchen nicht viel - bloß Geselligkeit. Die weiblichen Individuen sind voll der zärtlichsten Mutterliebe, und deshalb hielt auch jede Mutter ihr Kind für das schönste und klügste.

"Unser Söhnchen hat sich verlobt!" Sagte eine Mutter, "die süße Unschuld! Sein ganzes Streben geht dahin, dermaleinst in das Ohr eines Geistlichen zu kommen. Er ist recht kindlich liebenswürdig; die Verlobung bewahrt ihn vor Ausschweifungen! Welche Freude für eine Mutter!"

"Unser Sohn", sprach eine andere Mutter, "kaum aus dem Ei gekrochen, war auch gleich auf der Fahrt; er ist ganz Leben und Feuer! Er läuft sich die Hörner ab! Welch eine Freude für eine Mutter! Nicht war, Herr Mistkäfer?" - Sie erkannten den Fremden an seiner Form.

Sie haben beide recht!" sagte der Mistkäfer, und nun bat man ihn, in das Zimmer einzutreten, soweit er nämlich unter den Tonscherben kommen konnte.

"Jetzt sehen Sie auch mein kleines Ohrwürmchen", rief eine dritte und vierte Mutter. "Es sind gar liebliche Kinder, und sie machen sehr viel Spaß. Sie sind nie unartig, außer sie haben Bauchgrimmen; leider kriegt man das aber gar zu leicht in ihrem Alter."

Und in der Weise sprach jede Mutter von ihrem Püppchen, und die Püppchen sprachen mit und gebrauchten ihre kleinen Scheren, die sie am Schwanze hatten, um den Mistkäfer an seinem Bart zu zupfen.

"Ja, die machen sich immer was zu schaffen, die kleinen Schelme!" sagten die Mütter und dampften ordentlich vor Mutterliebe; allein das langweilte den Mistkäfer, und er fragte deshalb, ob es noch weit bis zu dem Mistbeet sei.

"Das ist ja draußen in der weiten Welt, jenseits des Grabens!" antwortete ein Ohrwurm, "So weit wird hoffentlich keines meiner Kinder gehen, das wäre mein Tod!"

"So weit will ich doch zu kommen versuchen", sagte der Mistkäfer und entfernte sich, ohne Abschied zu nehmen; denn so ist es ja am feinsten. Am Graben traf er noch mehr von seinesgleichen, alles Mistkäfer.

"Hier wohnen wir!" sagten sie. "Wir haben es ganz gemütlich! Dürfen wir Sie wohl bitten, in den fetten Schlamm hinabzusteigen? Die Reise ist für Sie gewiß ermüdend gewesen!"

"Allerdings!" sprach der Mistkäfer. "Ich war dem Regen ausgesetzt und habe auf Leinen liegen müssen, und Reinlichkeit nimmt mich vor allem mit. Auch habe ich Reißen in dem einen Flügel, weil ich unter einem Tonscherben im Zug gestanden habe. Es ist in der Tat ein wahres Labsal, wieder einmal unter seinesgleichen zu sein."

"Kommen Sie vielleicht aus dem Mistbeet?" fragte der älteste.

"Oho! Von höheren Orten!" rief der Mistkäfer. "Ich komme aus dem Stall des Kaisers, wo ich mit goldenen Schuhen an den Füßen geboren wurde; ich reise in einem geheimen Auftrag. Sie dürfen mich darüber aber nicht ausfragen, denn ich verrate es nicht."

Darauf stieg der Mistkäfer in den fetten Schlamm hinab. Dort saßen drei junge Mistkäferfräuleins; sie kicherten weil sie nicht wußten, was sie sagen sollten.

"Sie sind alle drei noch nicht verlobt", sagte die Mutter; und die jungen Mistkäferfräuleins kicherten aufs neue, diesmal aus Verlegenheit.

"Ich habe in den kaiserlichen Ställen keine schöneren gesehen", sagte der Mistkäfer, der sich ausruhte.

"Verderben Sie mir meine Mädchen nicht; sprechen Sie nicht mit Ihnen, es sei denn, Sie haben reelle Absichten! Doch die haben Sie sicher, und ich gebe meinen Segen dazu!"

"Hurra!" riefen all die andern Mistkäfer, und unser Mistkäfer war nun verlobt. Der Verlobung folgte sogleich die Hochzeit auf dem Fuße, denn es war kein Grund zum Aufschub vorhanden.

Der folgende Tag verging sehr angenehm, der nächstfolgende noch einigermaßen, aber am dritten Tag mußte man schon auf Nahrungssuche für die Frau gehen, vielleicht sogar an Kinder denken.

"Ich habe mich übertölpeln lassen!" dachte der Mistkäfer, "es bleibt mir daher nichts anderes übrig, als sie wieder zu übertölpeln!"

Gedacht, getan! Weg war er, den ganzen Tag blieb er aus, die ganze Nacht blieb er aus - und die Frau saß da als Witwe. "Oh", sagten die andern Mistkäfer, "der, den wir in die Familie aufgenommen haben, ist nichts weiter als ein echter Landstreicher; er ist auf und davon gegangen und läßt die Frau uns nun zur Last fallen!"

"Ei, dann mag sie wieder als Jungfrau gelten", sprach die Mutter, "und als mein Kind hierbleiben. Pfui über den Bösewicht, der sie verließ".

Der Mistkäfer war unterdes immer weiter gereist, auf einem Kohlblatt über den Wassergraben gesegelt. In der Morgenstunde kamen zwei Menschen an den Graben; als sie ihn erblickten, hoben sie ihn auf, drehten ihn um und um, taten beide sehr gelehrt, namentlich der eine von ihnen - ein Knabe. "Allah sieht den schwarzen Mistkäfer in dem schwarzen Gestein in dem schwarzen Felsen! Nicht wahr, so steht es im Koran geschrieben?" Dann übersetzte er den Namen des Mistkäfers ins Lateinische und verbreitete sich über dessen Geschlecht und Natur. Der zweite Mensch, ein älterer Gelehrter, stimmte dagegen, ihn mit nach Hause zu nehmen; sie hätten, sagte er, dort ebenso gute Exemplare, und das, so schien es unserem Mistkäfer, war nicht höflich gesprochen, deshalb flog er ihm auch plötzlich aus der Hand. Da er jetzt trockenen Flügel hatte, flog er eine ziemlich große Strecke und erreichte das Treibhaus, wo er mit aller Bequemlichkeit, da hier ein Fenster angelehnt war, hineinschlüpfte und sich in dem frischen Mist vergrub.

"Hier ist es wonnig!" sagte er.

Bald darauf schlief er ein, und es träumte ihm, daß des Kaisers Leibroß gestürzt sei und ihm seine goldenen Hufeisen gegeben habe und obendrein das Versprechen, ihn noch zwei anlegen zu lassen.

Das war sehr angenehm. Als der Mistkäfer erwachte, kroch er hervor und schaute sich um. Welche Pracht war in dem Treibhaus! Im Hintergrund große Palmen, hoch emporragend; die Sonne ließ sie transparent erscheinen, und unter ihnen, welche Fülle von Grün und strahlenden Blumen, rot wie Feuer, gelb wie Bernstein, weiß wie frischer Schnee!

"Das ist eine unvergleichliche Pflanzenpracht, die wird schmecken, wenn sie fault!" sagte der Mistkäfer. "Das ist eine gute Speisekammer! Hier wohnen gewiß Anverwandte; ich will doch nachspüren, ob ich jemanden finde, mit dem ich Umgang pflegen kann. Stolz bin ich, das ist mein Stolz!" Und nun lungerte er in dem Treibhaus herum und gedachte seines schönen Traumes von dem toten Pferd und den ererbten goldenen Hufeisen.

Da ergriff plötzlich eine Hand den Mistkäfer, drückte ihn und drehte ihn um und um.

Der kleine Sohn des Gärtners und ein Kamerad waren an das Mistbeet herangetreten, hatten den Mistkäfer gesehen und wollten nun ihren Spaß mit ihm treiben. Zuerst wurde er in ein Weinblatt gewickelt und alsdann in eine warme Hosentasche gesteckt; er kribbelte und krabbelte dort nach Kräften; dafür bekam er aber einen Druck von der Hand des Knaben und wurde so zur Ruhe gewiesen. Der Knabe ging darauf raschen Schrittes zu dem großen See hin, der am Ende des Gartens lag. Hier wurde der Mistkäfer in einen alten, halbzerbrochenen Holzschuh ausgesetzt, auf denselben ein Stäbchen als Mast gesteckt und an diesen der Mistkäfer mit einem wollenen Faden festgefunden. Jetzt war er Schiffer und mußte segeln.

Der See war sehr groß, dem Mistkäfer schien er wie ein Weltmeer, und er erstaunte dermaßen, daß er auf den Rücken fiel und mit den Füßen zappelte. Das Schifflein segelte, und die Strömung des Wassers ergriff es; fuhr es aber zu weit vom Land weg, krempelte sofort einer der Knaben seine Beinkleider auf, trat ins Wasser und holte es wieder ans Land zurück. Endlich aber, gerade als es wieder in bester Fahrt seeinwärts ging, wurden die Knaben gerufen, ganz ernstlich gerufen; sie beeilten sich zu kommen, liefen vom Wasser fort und ließen Schifflein Schifflein sein. Dieses trieb nun immer mehr und mehr vom Ufer ab, immer mehr in den offenen See hinaus; es war entsetzlich für den Mistkäfer, da er nicht fliegen konnte, weil er an den Mast gebunden war.

Da bekam er Besuch von einer Fliege. "Was für schönes Wetter!" sagte die Fliege. "Hier will ich ausruhen und mich sonnen; Sie haben es hübsch hier."

"Sie reden, wie Sie's verstehen! sehen Sie denn nicht, daß ich fest angebunden bin?"

"Ich bin nicht angebunden", sagte die Fliege und flog davon.

"Na, jetzt kenne ich die Welt!" sprach der Mistkäfer. "Es ist eine niederträchtige Welt! Ich bin der einzig Honette auf der Welt! Erst verweigert man mir goldene Schuhe, dann muß ich auf nassem Leinen liegen, in Zugluft stehen, und zu guterletzt hängen sie mir noch eine Frau auf. Tue ich dann einen raschen Schritt in die Welt hinaus um zu erfahren, wie man es dort bekommen kann und wie ich es haben sollte, so kommt so ein Menschenjunge, bindet mich fest und überläßt mich den wilden Wogen, während das Leibpferd des Kaisers in goldenen Schuhen einherstolziert! Das ärgert mich am meisten. Aber auf Anteilnahme darf man in dieser Welt nicht rechnen! Mein Lebenslauf ist sehr interessant; doch was nützt es, wenn ihn niemand kennt! Die Welt verdient es gar nicht, ihn kennenzulernen, sie hätte mir sonst auch goldene Schuhe im Stall des Kaisers gegeben, damals, als das Leibroß des Kaisers beschlagen wurde und ich meine Beine deshalb ausstreckte. Hätte ich goldenen Schuhe bekommen, so wäre ich eine Zierde des Stalles geworden; jetzt hat mich der Stall verloren, die Welt verloren, alles ist aus!"

"Sieh, da segelt ein alter Holzschuh", sagte eines der Mädchen.

"Ein kleines Tier ist darin angebunden!" rief ein anderes.

Das Boot kam ganz in die Nähe des Schiffleins mit unserem Mistkäfer; die jungen Mädchen fischten es aus dem Wasser; eine von ihnen zog eine kleine Schere aus ihrer Tasche, durchschnitt den wollenen Faden, ohne dem Mistkäfer ein Leid zuzufügen, und als sie an Land stieg, setzte sie ihn in das Gras. "Krieche, Krieche" Fliege, fliege" wenn du kannst", sprach sie, "Freiheit ist ein herrlich Ding."

Und der Mistkäfer flog auf und gerade durch das offene Fenster eines großen Gebäudes; dort sank er matt und müde herab auf die feine, weiche, lange Mähne des kaiserlichen Leibrosses, das im Stall stand, in dem es und auch der Mistkäfer zu Hause waren. Der Mistkäfer klammerte sich in der Mähne fest, saß eine kurze Zeit ganz still und erholte sich.

"Hier sitze ich auf dem Leibroß des Kaisers, sitze als Kaiser auf ihm! Doch was wollte ich noch sagen? Ja, jetzt fällt mir's wieder ein! Das ist ein guter Gedanke, und der hat seine Richtigkeit. Weshalb bekommt das Pferd die goldenen Hufbeschläge? so fragte mich doch der Schmied. Jetzt erst wird mir diese Frage klar. Meinetwegen bekam das Roß die goldenen Hufbeschläge!"

Und jetzt wurde der Mistkäfer guter Laune. "Man kriegt einen klaren Kopf auf Reisen!" sagte er.

Die Sonne warf ihre Strahlen in den Stall auf ihn herab und machte es dort hell und freundlich.

"Die Welt ist genau besehen doch nicht so arg", sagte der Mistkäfer, "man muß sie nur zu nehmen wissen!"

Ja, die Welt war schön, weil des Kaisers Leibroß nur deshalb goldene Hufbeschläge bekommen hatte, damit der Mistkäfer sein Reiter sein konnte.

"Jetzt will ich zu den andern Käfern hinabsteigen und ihnen erzählen, wie viel man für mich getan hat, ich will ihnen die Unannehmlichkeiten erzählen, die ich auf meiner Reise im Ausland genossen habe, und ihnen sagen, daß ich jetzt so lange zu Hause bleiben werde, bis das Roß seine goldenen Hufbeschläge abgetreten hat."