2. Dezember

Namenstage : Bibiana,Hertha,Jan und Lucius.

 

O du fröhliche

O du fröhliche
O du selige,
Gnadenbringende Weihnachtszeit.
Welt ging verloren,
Christ ward geboren,
Freue, freue dich,
O Christenheit!

2. O du fröhliche,
O du selige,
Gnadenbringende Weihnachtszeit.
Christ ist erschienen,
Uns zu versühnen,
Freue, freue dich,
O Christenheit!

3. O du fröhliche,
O du selige,
Gnadenbringende Weihnachtszeit.
Himmlische Heere
Jauchzen Dir Ehre,
Freue, freue dich,
O Christenheit!

 

Brüderchen und Schwesterchen (Gebrüder Grimm)

Brüderchen nahm sein Schwesterchen an der Hand und sprach
"Seit die Mutter tot ist, haben wir keine gute Stunde mehr; die Stiefmutter schlägt uns alle Tage,
und wenn wir zu ihr kommen, stößt sie uns mit den Füßen fort.
Die harten Brotkrusten, die übrig bleiben, sind unsere Speise,
und dem Hündlein unter dem Tisch gehts besser:
dem wirft sie doch manchmal einen guten Bissen zu.
Daß Gott erbarm, wenn das unsere Mutter wüßte!
Komm, wir wollen miteinander in die weite Welt gehen."
Sie gingen den ganzen Tag über Wiesen, Felder und Steine, und wenn es regnete,
sprach das Schwesterchen "Gott und unsere Herzen, die weinen zusammen!"
Abends kamen sie in einen großen Wald und waren so müde von Jammer,
Hunger und dem langen Weg, daß sie sich in einen hohlen Baum setzten und einschliefen.

Am andern Morgen, als sie aufwachten,
stand die Sonne schon hoch am Himmel und schien heiß in den Baum hinein.
Da sprach das Brüderchen "Schwesterchen, mich dürstet, wenn ich ein Brünnlein wüßte,
ich ging und tränk einmal; ich mein, ich hört eins rauschen."
Brüderchen stand auf, nahm Schwesterchen an der Hand, und sie wollten das Brünnlein suchen.
Die böse Stiefmutter aber war eine Hexe und hatte wohl gesehen,
wie die beiden Kinder fortgegangen waren, war ihnen nachgeschlichen,
heimlich, wie die Hexen schleichen, und hatte alle Brunnen im Walde verwünscht.
Als sie nun ein Brünnlein fanden, das so glitzerig über die Steine sprang,
wollte das Brüderchen daraus trinken: aber das Schwesterchen hörte,
wie es im Rauschen sprach
"Wer aus mir trinkt, wird ein Tiger, wer aus mir trinkt, wird ein Tiger."
Da rief das Schwesterchen
"ich bitte dich, Brüderchen, trink nicht, sonst wirst du ein wildes Tier und zerreißest mich."
Das Brüderchen trank nicht, ob es gleich so großen Durst hatte, und sprach
"Ich will warten bis zur nächsten Quelle."
Als sie zum zweiten Brünnlein kamen, hörte das Schwesterchen, wie auch dieses sprach
"Wwer aus mir trinkt, wird ein Wolf, wer aus mir trinkt, wird ein Wolf!"
Da rief das Schwesterchen
"Brüderchen, ich bitte dich, trink nicht, sonst wirst du ein Wolf und frißest mich."
Das Brüderchen trank nicht, und sprach
"Ich will warten, bis wir zur nächsten Quelle kommen, aber dann muß ich trinken,
du magst sagen, was du willst, mein Durst ist gar zu groß."
Und als sie zum dritten Brünnlein kamen, hörte das Schwesterlein, wie es im Rauschen sprach
"Wer aus mir trinkt, wird ein Reh, wer aus mir trinkt, wird ein Reh."
Das Schwesterchen sprach
"Ach Brüderchen, ich bitte dich, trink nicht, sonst wirst du ein Reh und läufst mir fort."
Aber das Brüderchen hatte sich gleich beim Brünnlein niedergeknieet,
hinabgebeugt und von dem Wasser getrunken,
und wie die ersten Tropfen auf seine Lippen gekommen waren, lag es da als ein Rehkälbchen.

Nun weinte das Schwesterchen über das arme verwünschte Brüderchen,
und das Rehchen weinte auch und saß so traurig neben ihm.
Da sprach das Mädchen endlich
"sei still, liebes Rehchen, ich will dich ja nimmermehr verlassen."
Dann band es sein goldenes Strumpfband ab und tat es dem Rehchen um den Hals,
und rupfte Binsen und flocht ein weiches Seil daraus.
Daran band es das Tierchen und führte es weiter, und ging immer tiefer in den Wald hinein.
Und als sie lange lange gegangen waren, kamen sie endlich an ein kleines Haus,
und das Mädchen schaute hinein, und weil es leer war, dachte es
"ier können wir bleiben und wohnen."
Da suchte es dem Rehchen Laub und Moos zu einem weichen Lager,
und jeden Morgen ging es aus und sammelte sich Wurzeln, Beeren und Nüsse,
und für das Rehchen brachte es zartes Gras mit, das fraß es ihm aus der Hand,
war vergnügt und spielte vor ihm herum.
Abends, wenn Schwesterchen müde war und sein Gebet gesagt hatte,
legte es seinen Kopf auf den Rücken des Rehkälbchens,
das war sein Kissen, darauf es sanft einschlief.
Und hätte das Brüderchen nur seine menschliche Gestalt gehabt,
es wäre ein herrliches Leben gewesen.

Das dauerte eine Zeitlang, daß sie so allein in der Wildnis waren.
Es trug sich aber zu, daß der König des Landes eine große Jagd in dem Wald hielt.
Da schallte das Hörnerblasen, Hundegebell und das lustige Geschrei der Jäger durch die Bäume,
und das Rehlein hörte es und wäre gar zu gerne dabei gewesen.
"Ach", sprach es zum Schwesterlein,
"laß mich hinaus in die Jagd, ich kanns nicht länger mehr aushalten"
,und bat so lange, bis es einwilligte.
"Aber', sprach es zu ihm, "komm mir ja abends wieder,
vor den wilden Jägern schließ ich mein Türlein; und damit ich dich kenne,
so klopf und sprich: mein Schwesterlein, laß mich herein; und wenn du nicht so sprichst,
so schließ ich mein Türlein nicht auf."
Nun sprang das Rehchen hinaus, und war ihm so wohl und war so lustig in freier Luft.
Der König und seine Jäger sahen das schöne Tier und setzten ihm nach,
aber sie konnten es nicht einholen, und wenn sie meinten, sie hätten es gewiß,
da sprang es über das Gebüsch weg und war verschwunden.
Als es dunkel ward, lief es zu dem Häuschen, klopfte und sprach
"mein Schwesterlein, laß mich herein.!"
Da ward ihm die kleine Tür aufgetan,
es sprang hinein und ruhete sich die ganze Nacht auf seinem weichen Lager aus.
Am andern Morgen ging die Jagd von neuem an, und als das Rehlein wieder das Hifthorn hörte
und das ho, ho! der Jäger, da hatte es keine Ruhe und sprach
"Schwesterchen, mach mir auf, ich muß hinaus."
Das Schwesterchen öffnete ihm die Türe und sprach
"Aber zu Abend mußt du wieder da sein und dein Sprüchlein sagen.
Als der König und seine Jäger das Rehlein mit dem goldenen Halshand wieder sahen,
jagten sie ihm alle nach, aber es war ihnen zu schnell und behend.
Das währte den ganzen Tag, endlich aber hatten es die Jäger abends umzingelt,
und einer verwundete es ein wenig am Fuß, so daß es hinken mußte und langsam fortlief.
Da schlich ihm ein Jäger nach bis zu dem Häuschen und hörte, wie es rief
"Mein Schwesterlein, laß mich herein", und sah,
daß die Tür ihm aufgetan und alsbald wieder zugeschlossen ward.
Der Jäger behielt das alles wohl im Sinn, ging zum König und erzählte ihm,
was er gesehen und gehört hatte. Da sprach der König
"Morgen soll noch einmal gejagt werden."

Das Schwesterchen aber erschrak gewaltig, als es sah, daß sein Rehkälbchen verwundet war.
Es wusch ihm das Blut ab, legte Kräuter auf und sprach
"Geh auf dein Lager, lieb Rehchen, daß du wieder heil wirst."
Die Wunde aber war so gering, daß das Rehchen am Morgen nichts mehr davon spürte.
Und als es die Jagdlust wieder draußen hörte, sprach es
"Iich kanns nicht aushalten, ich muß dabei sein; so bald soll mich keiner kriegen."
Das Schwesterchen weinte und sprach
"Nnun werden sie dich töten, und ich bin hier allein im Wald und bin verlassen von aller Welt
, ich laß dich nicht hinaus."
"So sterb ich dir hier vor Betrübnis", antwortete das Rehchen,
"wenn ich das Hifthorn höre, so mein ich, ich müßt aus den Schuhen springen!"
Da konnte das Schwesterchen nicht anders und schloß ihm mit schwerem Herzen die Tür auf,
und das Rehchen sprang gesund und fröhlich in den Wald.

Als es der König erblickte, sprach er zu seinen Jägern
"Nun jagt ihm nach den ganzen Tag bis in die Nacht, aber daß ihm keiner etwas zuleide tut."
Sobald die Sonne untergegangen war, sprach der König zum Jäger
2Nnun komm und zeige mir das Waldhäuschen."
Und als er vor dem Türlein war, klopfte er an und rief "'lieb Schwesterlein, laß mich herein."
Da ging die Tür auf, und der König trat herein, und da stand ein Mädchen, das war so schön,
wie er noch keins gesehen hatte. Das Mädchen erschrak, als es sah, daß nicht das Rehlein,
sondern ein Mann hereinkam, der eine goldene Krone auf dem Haupt hatte.
Aber der König sah es freundlich an, reichte ihm die Hand und sprach
"Willst du mit mir gehen auf mein Schloß und meine liebe Frau sein?"
"Ach ja", antwortete das Mädchen, "aber das Rehchen muß auch mit, das verlaß ich nicht."
Sprach der König
"Es soll bei dir bleiben, so lange du lebst, und soll ihm an nichts fehlen."
Indem kam es hereingesprungen, da band es das Schwesterchen wieder an das Binsenseil,
nahm es selbst in die Hand und ging mit ihm aus dem Waldhäuschen fort.

Der König nahm das schöne Mädchen auf sein Pferd und führte es in sein Schloß,
wo die Hochzeit mit großer Pracht gefeiert wurde, und war es nun die Frau Königin,
und lebten sie lange Zeit vergnügt zusammen;
das Rehlein ward gehegt und gepflegt und sprang in dem Schloßgarten herum.
Die böse Stiefmutter aber, um derentwillen die Kinder in die Welt hineingegangen waren,
die meinte nicht anders, als Schwesterchen wäre von den wilden Tieren im Walde zerrissen worden
und Brüderchen als ein Rehkalb von den Jägern totgeschossen.
Als sie nun hörte, daß sie so glücklich waren und es ihnen so wohl ging,
da wurden Neid und Mißgunst in ihrem Herzen rege und ließen ihr keine Ruhe,
und sie hatte keinen andern Gedanken,
als wie sie die beiden doch noch ins Unglück bringen könnte.
Ihre rechte Tochter, die häßlich war wie die Nacht und nur ein Auge hatte,
die machte ihr Vorwürfe und sprach
"Eine Königin zu werden, das Glück hätte mir gebührt"
"Sei nur still", sagte die Alte und sprach sie zufrieden,
"Wenns Zeit ist, will ich schon bei der Hand sein."
Als nun die Zeit herangerückt war, und die Königin ein schönes Knäblein zur Welt gebracht hatte,
und der König gerade auf der Jagd war, nahm die alte Hexe die Gestalt der Kammerfrau an,
trat in die Stube, wo die Königin lag, und sprach zu der Kranken
"Kommt, das Bad ist fertig, das wird Euch wohltun und frische Kräfte geben: geschwind,
eh es kalt wird."
Ihre Tochter war auch bei der Hand, sie trugen die schwache Königin in die Badstube
und legten sie in die Wanne: dann schlossen sie die Tür ab und liefen davon.
In der Badstube aber hatten sie ein rechtes Höllenfeuer angemacht,
daß die schöne junge Königin bald ersticken mußte.

Als das vollbracht war, nahm die Alte ihre Tochter, setzte ihr eine Haube auf,
und legte sie ins Bett an der Königin Stelle.
Sie gab ihr auch die Gestalt und das Ansehen der Königin,
nur das verlorene Auge konnte sie ihr nicht wiedergeben.
Damit es aber der König nicht merkte, mußte sie sich auf die Seite legen, wo sie kein Auge hatte.
Am Abend, als er heimkam und hörte, daß ihm ein Söhnlein geboren war,
freute er sich herzlich, und wollte ans Bett seiner lieben Frau gehen und sehen, was sie machte.
Da rief die Alte geschwind
"Beileibe, laßt die Vorhänge zu, die Königin darf noch nicht ins Licht sehen und muß Ruhe haben."
Der König ging zurück und wußte nicht, daß eine falsche Königin im Bette lag.

Als es aber Mitternacht war und alles schlief, da sah die Kinderfrau,
die in der Kinderstube neben der Wiege saß und allein noch wachte, wie die Türe aufging,
und die rechte Königin hereintrat. Sie nahm das Kind aus der Wiege,
legte es in ihren Arm und gab ihm zu trinken.
Dann schüttelte sie ihm sein Kißchen, legte es wieder hinein
und deckte es mit dem Deckbettchen zu. Sie vergaß aber auch das Rehchen nicht, ging in die Ecke,
wo es lag, und streichelte ihm über den Rücken.
Darauf ging sie ganz stillschweigend wieder zur Türe hinaus,
und die Kinderfrau fragte am anderen Morgen die Wächter,
ob jemand während der Nacht ins Schloß gegangen wäre,
aber sie antworteten "Nein, wir haben niemand gesehen."
So kam sie viele Nächte und sprach niemals ein Wort dabei;
die Kinderfrau sah sie immer, aber sie getraute sich nicht, jemand etwas davon zu sagen.

Als nun so eine Zeit verflossen war, da hub die Königin in der Nacht an zu reden und sprach
"Was macht mein Kind? was macht mein Reh?
Nun komm ich noch zweimal und dann nimmermehr."
Die Kinderfrau antwortete ihr nicht, aber als sie wieder verschwunden war,
ging sie zum König und erzählte ihm alles. Sprach der König
"Ach Gott, was ist das! Ich will in der nächsten Nacht bei dem Kinde wachen."
Abends ging er in die Kinderstube, aber um Mitternacht erschien die Königin wieder und sprach
"was macht mein Kind, was macht mein Reh?
Nun komm ich noch einmal und dann nimmermehr."
Und pflegte dann des Kindes, wie sie gewöhnlich tat, ehe sie verschwand.
Der König getraute sich nicht, sie anzureden,
aber er wachte auch in der folgenden Nacht.
Sie sprach abermals
"Was macht mein Kind? was macht mein Reh?
Nun komm ich noch diesmal und dann nimmermehr."

Da konnte sich der König nicht zurückhalten, sprang zu ihr und sprach
"Du kannst niemand anders sein als meine liebe Frau."
Da antwortete sie "ja, ich bin deine liebe Frau"
und hatte in dem Augenblick durch Gottes Gnade das Leben wiedererhalten,
war frisch, rot und gesund.
Darauf erzählte sie dem König den Frevel, den die böse Hexe und ihre Tochter an ihr verübt hatten.
Der König ließ beide vor Gericht führen, und es ward ihnen das Urteil gesprochen
. Die Tochter ward in den Wald geführt, wo sie die wilden Tiere zerrissen,
die Hexe aber ward ins Feuer gelegt und mußte jammervoll verbrennen.
Und wie sie zu Asche verbrannt war,
verwandelte sich das Rehkälbchen und erhielt seine menschliche Gestalt wieder;
Schwesterchen und Brüderchen aber lebten glücklich zusammen bis an ihr Ende.

Das Märchen vom Schlaraffenland

Hört zu, ich will euch von einem guten Lande sagen, dahin würde mancher auswandern, wüsste er, wo es liegt und hätte eine gute Schiffgelegenheit. Aber der Weg dahin ist weit für die Jungen und für die Alten, denen es im Winter zu heiss ist und zu kalt im Sommer. Diese schöne Gegend heisst Schlaraffenland.

Da sind die Häuser gedeckt mit Eierfladen, und Türen und Wände sind von Lebkuchen und die Balken von Schweinebraten. Was man bei uns für einen Dukaten kauft, kostet dort nur einen Pfennig. Um jedes Haus steht ein Zaun, der ist von Bratwürsten geflochten und von bayerischen Würsteln.

Alle Brunnen sind voll süßer Weine, die rinnen einem nur so ins Maul. Wer also gerne solche Weine trinkt, der eile sich, dass er in das Schlaraffenland hineinkomme. Auf den Birken und Weiden da wachsen die Semmeln und Brötchen frischbacken und unter den Bäumen fliessen Milchbäche; in diese fallen Semmeln und Brötchen hinein und weichen sich selbst ein für die, so sie gern einbrocken. Das ist etwas für Weiber und für Kinder, für Knechte und Mägde! Holla Gretel, holla Steffel! Wollt ihr nicht auswandern? Macht euch herbei zum Semmelbach und vergesst nicht, einen grossen Milchlöffel mitzubringen.

Die Fische schwimmen in dem Schlaraffenlande obendrauf auf dem Wasser, sind auch schon gebacken oder gesotten und schwimmen nahe am Gestade. Wenn aber einer gar zu faul ist und ein echter Schlaraff, der darf nur rufen: Bst - bst! so kommen die Fische heraus aufs Land spaziert und hüpfen dem guten Schlaraffen in die Hand, daß er sich icht bücken braucht.

Das könnt ihr glauben, dass die Vögel dort gebraten in der Luft herumfliegen, Gänse und Truthähne, Tauben und Kapaunen, Lerchen und Krammetsvögel, und wem es zu viel Mühe macht, die Hand danach auszustrecken, dem fliegen sie schnurstracks ins Maul hinein.

Die Spanferkel geraten dort alle Jahr überaus trefflich; sie laufen gebraten umher und jedes trägt ein Messer im Rücken, damit wer da will, sich ein frisches saftiges Stück abschneiden kann.

Die Käse wachsen in dem Schlaraffenlande wie die Steine, groß und klein; die Steine selbst sind lauter Taubenkröpfe mit gefülltem oder auch kleine Fleischpastetchen. Im Winter wen es regnet, so regnet es lauter Honig in süßen Tropfen. Da kann einer lecken und schlecken, daß es eine Lust ist. Und wenn es schneit, so schneit es klaren Zucker und wenn es hagelt, so hagelt es Würfelzucker untermischt mit Feigen, Rosinen und Mandeln.

Im Schlaraffenland legen die Rosse keine Roßäpfel, sondern Eier, grosse Körbe voll und ganze Haufen, so daß man tausend um einen Pfennig kauft. Und das Geld kann man von den Bäumen schütteln wie Kastanien. Jeder mag sich das Beste herunterschütteln und das minder Werte liegenlassen.

In dem Lande gibt es auch groé Wälder, da wachsen im Buschwerk und auf den Bäumen die schönsten Kleider, Röcke, Mäntel, Hauben, Hosen und Wämser von allen Farben, schwarz, grün, gelb, blau oder rot. Wer ein neues Gewand braucht, der geht in den Wald, und wirft es mit einem Stein herunter oder schließt mit dem Bolzen hinauf. In der Heide wachsen schöne Damenkleider von Samt, Atlas, Taft und Seide. Das Gras besteht aus Bändern von allen Farben. Die Wacholderstöcke tragen Broschen und golden Krawattennadeln, und ihre Beeren sind nicht schwarz, sondern echte Perlen. An den Tannen hängen Damenuhren, und auf den Stauden wachsen Stiefel und Schuhe, auch Herren- und Damenhüte und allerlei Kopfputz, mit Paradiesvögeln, Kolibris, Brillantkäfern, Perlen, und Goldborten verziehrt.

Wer eine Frau hat die ihm nicht mehr jung genug und hübsch, der kann sie dort gegen eine junge und schöne vertauschen und bekommt noch ein draufgeld dafür. Die alten und garstigen - denn ein Sprichwort sagt, wenn man alt wird, wird man garstig - kommen in ein Jungbad, damit das Land begnadet ist. Das ist von großen Kräften; darin baden die alten Weiber etwa drei Tage oder höchstens vier, da werden schmucke Dirnlein daraus von siebzehn oder achtzehn Jahren.

Auch für die Schlafsäcke und Schlafpelze, die hier von ihrer Faulheit arm werden, dass sie Bankrott machen und betteln gehen müssen, ist jenes Land vortrefflich. Jede Stunde Schlafens bringt dort einen Gulden ein und jedesmal Gähnen einen Doppeltaler. Wer im Spiel verliert, dem fällt sein Geld wieder in die tasche. Die Trinker haben den besten Wein umsonst, und von jedem Trunk und Schluck drei Batzen Lohn, sowohl Frauen als auch Männer. Wer die Leute am besten necken und aufziehen kann, bekommt jeweils einen Gulden. Keiner darf etwas umsonst tun, und wer die größte Lüge macht, der hat allemal eine Krone dafür. Auch viel und mancherlei Kurzweil gibt es in dem Schlaraffenlande. Wer hierzulande gar kein Glück hat, der hat es dort im Spiel und Luftschießen wie im Gesellenstechen. Mancher scgießt hier all sein Lebtag nebenaus und weit vom Ziel, dort aber trifft er, und wenn er derallerweiteste davon wäre, doch das Beste.

Hierzulande lügz so mancher drauf und drein, und hat nichts für diese Mühe; dort aber hält man Lügen für die beste Kunst. Daher Lügen sich wohl in das Land allerlei Prokura-, Dok- und andere -toren, Roßtäuscher und Handwerksleute, die ihren Kunden stets aufreden und nimmer Wort halten. Auch viel und mancherlei Kurzweil gibt es in dem Schlaraffenlande. Wer hierzulande gar kein Glück hat, der hat es dort im Spiel und Luftschießen wie im Gesellenstechen. Mancher scgießt hier all sein Lebtag nebenaus und weit vom Ziel, dort aber trifft er, und wenn er derallerweiteste davon wäre, doch das Beste.

Wer dort gelehrter Mann sein will, muss auf einen Grobian studiert haben. Solche Studenten gibts auch bei uns zulande, haben aber keinen Dank davon und keine Ehren. Auch muss er dabei faul un gefräßig sein, das sind die drei schönsten Künste. Ich kenn einen, der kann alle Tage Professer werden. Auch viel und mancherlei Kurzweil gibt es in dem Schlaraffenlande. Wer hierzulande gar kein Glück hat, der hat es dort im Spiel und Luftschießen wie im Gesellenstechen. Mancher scgießt hier all sein Lebtag nebenaus und weit vom Ziel, dort aber trifft er, und wenn er derallerweiteste davon wäre, doch das Beste.

Wer gern arbeitet, Gutes tut und Böses läßt, dem ist jedermanndort abhold, und er wird des Schlaraffenlandes verwiesen. Aber wer tölpisch ist, gar nichts kann und dabei doch voll dummen Dünkels, der ist dort als ein Edelmann angesehen. Wer nichts kann, als schlafen, essen, trinken, tanzen und spielen, der wird zum Grafen ernannt. Dem aber, welchen das allgemeine Stimmrecht als den Faulsten und zu allem Guten Untauglichsten erkannt, der wird König über das ganze Land und hat ein großes Einkommen. Auch viel und mancherlei Kurzweil gibt es in dem Schlaraffenlande. Wer hierzulande gar kein Glück hat, der hat es dort im Spiel und Luftschießen wie im Gesellenstechen. Mancher scgießt hier all sein Lebtag nebenaus und weit vom Ziel, dort aber trifft er, und wenn er derallerweiteste davon wäre, doch das Beste.

Nun wißt ihr des Schlaraffenlandes Art und Eigenschaft. Wer sich dort also auftun und dorthin eine Reise machen will, aber den Weg nicht weiß, der frage einen Blinden. Aber auch ein Stummer ist gut dazu, denn der sagt ihm gewiß keinen falschen Weg. Auch viel und mancherlei Kurzweil gibt es in dem Schlaraffenlande. Wer hierzulande gar kein Glück hat, der hat es dort im Spiel und Luftschießen wie im Gesellenstechen. Mancher scgießt hier all sein Lebtag nebenaus und weit vom Ziel, dort aber trifft er, und wenn er derallerweiteste davon wäre, doch das Beste.

Um das ganze Land herum ist aber eine berghohe Mauer von Reisbrei. Wer hier hinein oder heraus will, muss sich da erst quer hindurchfressen.

Alexander und der Weihnachtsmann

Alexander kommt mit hängendem Kopf aus der Schule. Schon wieder hat er in Rechnen eine schlechte Note bekommen, und die heutige Aufgabe ist auch so schwer, dass er sie wohl nicht allein schaffen wird. Mit einer schlechten Note im Ranzen geht man nicht sehr gern nach Hause, deshalb bummelt Alexander noch ein bisschen durch die Straßen, die vorweihnachtlich beleuchtet und geschmückt sind. Beim Kaufhaus bleibt er stehen, denn da drinnen steht tatsächlich ein leibhaftiger Weihnachtsmann mit einem langen, roten Mantel und einem weißen Wattebart! Alexander geht ins Kaufhaus hinein, um sich den heiligen Mann genauer anzusehen. Aus einiger Entfernung sieht er, wie er an die Kinder Süßigkeiten verteilt und allen Leuten freundlich lächelnd "Fröhliche Weihnachten" wünscht. Als eine kleine Pause entsteht, geht er plötzlich auf Alexander zu und sagt: "Sag einmal, Kleiner, ich beobachte dich schon eine ganze Weile, du siehst so traurig aus, kann ich dir helfen?" - "Ja, weißt du", sagt Alexander zaghaft, "ich habe eine so schwere Rechenaufgabe auf, kannst du mir da helfen?" Der Weihnachtsmann stutzt zwar erst ein bisschen, doch dann meint er: "Na, zeig schon her, um was geht es denn?" Doch als er Alexanders Rechenheft sieht, tut ihm dieser Satz schon fast wieder leid, denn die Rechenaufgabe ist eine ganz verzwickte Sache aus der Mengenlehre! Doch nach einigem Überlegen und Räuspern und Bartkraulen gelingt es dem Weihnachtsmann doch, Alexander die Rechenaufgabe zu erklären. Dass er dabei ganz schön ins Schwitzen gekommen ist, bemerkt der Junge gar nicht. Er bedankt sich ganz herzlich und rennt nach Hause. "Wo bleibst du denn so lange", fragt seine Mutter, "ich habe mir schon Sorgen gemacht." - "Ich habe mir nur vom Weihnachtsmann die Rechenaufgabe erklären lassen", sagt Alexander, und er sieht seiner Mutter an, dass sie ihm das nicht glaubt.